Informationen zu Tai Chi Chuan
 














 
Tai Chi Chuan (ältere Wade-Giles Schreibweise) (jüngere Pinyin Schreibweise: Taijiquan), heißt wörtlich übersetzt: "Die große, ultimative Faust" (Chuan heißt Faust)
oder „Das Höchste Letzte“.
Diese, über 700 Jahre alte chinesische Bewegungskunst, beinhaltet drei Grundprinzipien:

 - Gesunderhaltung des Körpers -
- Kampfkunst -
- Gesunderhaltung des Geistes durch Meditation -
 
Um den Hintergrund dieser uns im Westen doch eher fremden Bewegungsweise ein wenig besser verstehen zu können, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf die chinesische Philosophie zu werfen. Die Bewegungen im Tai Chi Chuan orientieren sich an der jahrtausende alten taoistischen Lehre des yin und yang und an der Theorie von den fünf Elementen.
In der chinesischen Philosophie geht man davon aus, 
dass alles Existierende einen Gegenpol hat; z.B.
 
Yin - Frau, Mond. Dunkel
Yang - Mann, Sonne ,Hell
  
und dass das Eine nicht ohne das Andere existieren kann.



Der Taoist Tempel in Cebu, Beverly Hills, Philippinen
  
Die permanente Interaktion zwischen diesen Gegensätzen im Zusammenhang mit der 
Fünf Elemente Theorie 
bedingt -laut chinesischer Philosophie - den konstanten Wandel 
und somit alle Aktivitäten im Universum.

In der chinesischen Medizin weiß man, dass ein Ungleichgewicht im "yin und yang Haushalt" eines Menschen Krankheiten hervorruft. Daher ist die beste Krankheitsvorbeugung, sein körperliches, geistiges und seelisches Gleichgewicht bewusst in Balance zu halten.

Der Bewegungsablauf 
der Tai Chi Formen ist getreu diesen Prinzipien ausgerichtet. Das heißt beispielsweise, 
wenn eine Bewegung nach vorne geht, ist die Rückwärtsbewegung schon in dieser Bewegung enthalten. Die Körperausrichtung in der Tai Chi Form ist so konzipiert, dass sie einen optimalen Energiefluss im Menschen gewährleistet.

Die gerade Haltung
 der Wirbelsäule beispielsweise entspricht der Rückenhaltung anderer Meditationsformen im Sitzen. Dies bedingt einerseits den guten Qi-Durchfluss entlang des aufsteigenden Yang-Kanals, entlastet andererseits den Rücken und bringt die Körperkraft auf die Beine zurück.

Es gibt die zehn Grundprinzipien des Tai Chi Chuan. Ist ein Prinzip davon während der Ausführung nicht beachtet, kann man nicht von Tai Chi Chuan sprechen.
 
Die zehn grundlegenden Punkte des Tai Chi Chuan 
nach Tai Chi Meister Yang Cheng - Fu 
(1883 – 1936):
 
1. Der Kopf ist unbelastet und belebt
2. Der Brustkorb sinkt etwas ein und der Rücken ist gerade
3. lockeres Kreuz
4. Verteilung von Entlastung und Belastung
5. Herabgesunkene Schultern und hängende Ellbogen
6. Aufmerksamkeit, nicht Kraft soll angewendet werden
7. Das Obere und das Untere folgen sich koordiniert
8. Inneres und Äußeres sind gegenseitig verbunden
9. Ständige Verbindung ohne Unterbrechung
10. Habe Ruhe in der Bewegung
 
Über die positiven körperlichen und geistigen Auswirkungen einer täglichen Übung der Form wurden in Shanghai und New York City wissenschaftliche Langzeitstudien angestellt. Das Ergebnis dieser Studien bestätigt eindeutig, was chinesische Mönche, Heiler und Kampfkünstler schon seit hunderten von Jahren wissen:

Durch regelmäßiges und - vor allem - richtiges praktizieren der Form, verbessern sich Herz- und Muskeltätigkeit, zu hoher Blutdruck kann dauerhaft gesenkt werden, Diabetes und Arthrose werden eindeutig gemildert, ein stabiles Kreislaufsystem und stabilere Knochen resultieren daraus und Atem- oder Lungenbeschwerden werden gemildert, 
teilweise verschwinden sie ganz.

Der Grund hierfür findet sich im Ansatz der ganzheitlichen, chinesischen Medizin. 
Da wir aus Körper, Geist und Seele bestehen, gilt es zunächst, dem Körper zu geben, was er braucht, nämlich hauptsächlich Bewegung. Diese Bewegung sollte so natürlich sein wie möglich. Keine ruckartigen Bewegungen, keine Erschütterungen, sondern dem Körper angepasste, weiche und in ebenmäßiger Geschwindigkeit verlaufende Formen.

Durch die Ausübung der Form

wird, in Kombination mit der richtigen Atmung, das Chi 
(die Lebensenergie) durch alle 12 Meridiane Funktionskreisläufe gelenkt. 
(Meridiane sind bekannt aus der Akupunktur, deren Nutzen und Wirksamkeit auch hierzulande immer mehr - auch schulmedizinische - Anerkennung findet!) 
Dadurch werden Blockaden in den Funktionskreisläufen aufgehoben und die Durchblutung im gesamten Körper gefördert. Der Körper wird durch die Art der Bewegung permanent sanft gedehnt und erlangt somit seine frühere Elastizität zurück. Die Gelenke werden geschmeidig gehalten durch die sich wiederholenden Drehungen, der Knorpel kann dadurch sogar teilweise wieder aufgebaut werden.

Da man in China um diese Zusammenhänge schon lange weiß, 
hat das Komitee für Volksgesundheit Tai Chi Chuan mit in den Sportunterricht der Schulen aufgenommen. Die positiven Auswirkungen regelmäßigen Übens auf den Geist zeigen sich in der enormen Verbesserung des Durchhaltevermögens und der Konzentration. 
Die Meditation zeigt sich hier in der Bewegung. Hohe Konzentration und somit ungestörte Aufmerksamkeit werden in der Form verlangt. Die Konzentration auf die Körpermitte, das untere Tan Tien, bewirkt dort eine Ansammlung von Chi. 

Das Chi 
ist oft durch zu viel sitzende Tätigkeit im oberen Körperbereich gestaut. 
Durch Beachtung der 10 Grundregeln nach Yang Cheng Fu während des Formlaufens, 
kann das Chi zum unteren Tan Tien sinken und dort als zusätzliche Energiequelle 
gespeichert werden. Da jede einzelne Position einer Form aus der Kampfkunst kommt, 
fließt hier auch noch das Wissen um deren Anwendung und die Visualisierung 
eines Gegners mit ein.
 

Die Lehrerin beim Laufen der mittlerweile seltenen Tai Chi Chuan Fächerform: 
„36 steps Phoenix and Dragon“ , Li – style Ru Li Sang
 

Die inneren chinesischen Kampfkünste
Tai Chi Chuan gilt als eine der drei großen, inneren chinesischen Kampfkünste, 
die da wären: Tai Chi Chuan, Ba Gua und Hising-I. 

Die äußeren chinesischen Kampfkünste
sind die verschiedenen Kung-Fu Stile, 
die in China nach Nord- und Südstilen unterschieden werden. 

Nan Chuan ist die „southern fist“, die südliche Schule der äußeren Kampfkünste in China. 
Chang Chuan „long fist boxing“ ist die basis Schule der nördlichen Shaolin Künste, 
um nur einige der zahlreichen Kung-Fu Stile zu nennen.
Der wohl legendärste Geburtsort der chinesischen Kampfkünste sind die Shaolin Klöster.
Der Überbegriff für die inneren und äußeren chinesischen Kampfkünste 
ist im heutigen China: „Wushu“.
 
Die Wushu Vereinigungen
jedes Landes richten regelmäßig Wettkämpfe aus, in denen zum Beispiel auch bestimmte Tai Chi Formen, mit und ohne Waffen als Wettkampfform gelaufen werden.



Im Bild: Ausübung der populären „32- steps basic swordform Tai Ji Jian“
Yang - Stil aus den 50 – er Jahren ( Tai Chi Schwert = Tai Ji Jian )
Fotos : Herbert Westhoff
 
 
Von den großen Tai Chi Meistern sagte man:
„Ihr ganzer Körper scheint wie aus in Watte gepackter Stahl zu sein“. Das ist auch yin und yang, nach außen sehr sanft und nachgiebig, doch im Innern sehr stark und konzentriert. Daraus, so sagen die Chinesen, erwächst wahre Kraft.
 
Über die Gründung des Tai Chi Chuan
gibt es verschiedene Theorien. Chang San-feng, ein taoistischer Priester (1279-1368) der Sung Dynastie, wird gewöhnlich als Gründer der "sanften Schule des Boxens" angegeben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich verschiedene Hauptstilformen herausgebildet,
welche die Namen ihrer Begründer tragen. 
Die fünf bekanntesten sind:
 
der Chen Stil,
der Yang Stil,
der Wu Stil,
der Sun Stil
und der Peking Stil
 

Chang San - feng
 
Der traditionelle Yang Stil, 
entwickelt von Yang Lu Ch`an (1799 - 1872), beinhaltet in seiner Form 108 Positionen. Dementsprechend lange dauert die Ausführung.
 
Das chinesische Komitee 
für Volksgesundheit hat schließlich ab 1950 verkürzte Formen des beliebten Yang-Stiles entwickeln lassen, um dem gesamten Volk das Üben der Tai Chi Form auch in der zeitlichen Hektik des Alltags zu ermöglichen. Die Basis- Form nennt sich 24 step Tai Chi Chuan Peking Stil und wird heute überall in China und Hongkong praktiziert. Zeitgleich wurden noch weitere Formen entwickelt, welche die Hauptelemente der Stile Yang, Chen und Wu vereinen, sowie verschiedene Waffenformen, die ebenso populär sind.
Auch in Amerika und Europa sind diese standardisierten Formen mittlerweile weit verbreitet und erfreuen sich bei Jung und Alt größter Beliebtheit.
 
 
Marie Hock-Westhoff
hat während ihres vierjährigen Aufenthaltes in Cebu auf den Philippinen Tai Chi Chuan und Qi Gong in täglich mehrstündigem Training bei dem philippinischen Tai Chi Meister 
Benny Arnel Besa gelernt. Benny Arnel Besa ist amtierender philippinischer 
Tai Chi Chuan Meister.
 

Meister Benny Arnel Besa
 
Er gewann im Jahre 2003 die Goldmedaille für die Basis Schwertform 32- steps Tai Chi Chuan 
in den Manila Wushu national championships.
Im Mai 2004 gewann er die Goldmedaille für die offizielle, internationale Wettkampfform 
42- steps Tai Chi Chuan, ebenfalls in Manila in den national Wushu championships.
 
(Mehr Informationen zu Meister Benny gibt es auf der Seite „Cebu Tai Chi Club“)
 
Marie Hock-Westhoff hat ihrem Lehrer vor ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2000 versprochen, sich der Aufgabe zu widmen, diese Bewegungskunst 
Interessierten weiterzuvermitteln.
 

Im Bild: Tai Chi Kurzstock - Form, eine Vereinigung von Tai Chi Chuan und dem philippinischen Stockkampf Arnis (auch bekannt als Eskrima oder Kali). 
Entwickelt von Tai Chi Meister B. A. Besa.
 
Tai Chi in Aschaffenburg
 
 
 
 
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